Ein, zwei Gedanken zum Thema E-Books

Heute morgen habe ich in der HAZ gelesen, dass die Buchverlage ganz heiß darauf sind, endlich mit E-Books Geld zu machen aber dabei große Angst vor den bösen Raubkopierern haben, die derzeit noch über 60% aller Downloads ausmachen sollen. Immerhin wirft man keine wilden Zahlen von wirtschaftlichen Schäden vor sich hin.

Gestern hat mich eine Kollegin gefragt, was ich von E-Book-Readern halte und welchen ich empfehlen würde.

Tja, das ist nicht so einfach. Denn die Verlage machen momentan genau die Fehler, die auch die Musikindustrie zu Anfang dieses Jahrtausends gemacht hat. Sie gängelt Ihre Kunden durch geschlossene Systeme, DRM, Kopierschutzmaßnahmen und völlig überteuerte Preise.

Ein kleiner Blick zur Musikindustrie würde reichen um zu sehen, dass erst mit der Abschaffung von DRM der Durchbruch von legalen Download-Portalen geschafft wurde.

Denn heute ein E-Book zu kaufen bedeutet, sich in der Regel vorher auf einen oder zwei Anbieter festzulegen. Es bedeutet, die gekauften Bücher nicht wieder weiter verkaufen zu können. Es bedeutet die gekauften Bücher nicht verleihen zu können. Ja, manchmal ist nicht einmal eine Sicherungskopie möglich. Die neue Steve-Jobs Biographie zum Beispiel kostet bei Amazon gebunden 24,99€. Als E-Book immerhin noch 19,99€. Für die oben genannten Nachteile ist das doch ein geringes Trostpflaster – wo sich die Verlage doch immerhin Druck, Papier, Transport und Personal sparen können.

Da ist es kaum verwunderlich, dass es bis zum endgültigen Durchbruch noch ein weiter Weg ist und sich viele User einfach die Bücher illegal als pdf-Dokument runterladen. Das können Sie kopieren, auf allen Rechnern und Tablets konsumieren, verleihen, sichern und am Ende wieder löschen oder archivieren.

6 Kommentare

  1. moin8smann sagt:

    @Uli:
    Man könnte aber auch einfach von den Fehlern der Musikindustrie lernen. Die grossen Labels könnten heute da stehen, wo Apple ist – wenn sie es nur begriffen hätten, mp3 nicht als das ultimative Böse anzusehen.

  2. admin sagt:

    Mit meinem Auto kann ich nach dem Kauf aber machen was ich will. Ebenso mit meinem Handy. Egal ob ich es verleihe, verkaufe, auf der Straße verschenke, neue Felgen aufziehe, neue Software installiere,… Und all sdas kann ich mit dem ebook nicht machen, obwohl ich es ja auch gekauft habe….

  3. Uli sagt:

    Zitat: „Denn heute ein E-Book zu kaufen bedeutet, sich in der Regel vorher auf einen oder zwei Anbieter festzulegen. Es bedeutet, die gekauften Bücher nicht wieder weiter verkaufen zu können. Es bedeutet die gekauften Bücher nicht verleihen zu können. Ja, manchmal ist nicht einmal eine Sicherungskopie möglich.“

    Ja und? Dann muss ich mich halt den momentanen Gegebenheiten anpassen, wenn ich unbedingt ein ebook haben will. Oder einfach die gedruckte Version kaufen? Vielleicht kann ich mit meinem Handy irgendwann auch mein Auto öffnen und starten. Momentan geht das eben noch nicht, kann ich mich deshalb beklagen, dass ich einen eigenen Schlüssel dafür benutzen muss?

    Die Entwicklung auf diesem Gebiet wird schon noch irgendwann alle noch so exotischen Wünsche der Nutzer berücksichtigen. Obwohl … denen fällt dann garantiert was Neues ein.

  4. Thorben sagt:

    Ich unterstütze keineswegs „illegale Downloads“. Man muss sich eben nur nicht wundern, dass die Konsumenten andere Wege gehen, wenn die legalen so ein Schrott sind.

  5. Uli sagt:

    ich finde es immer wieder erstaunlich, was alles als Argument herangezogen wird, um illegale Downloads zu rechtfertigen. Für mich ist das Diebstahl. Basta.

  6. Oberlehrer sagt:

    Habe mir vor ein paar Tagen ebenfalls so meine Gedanken zum Thema E-Book gemacht — auch aus der Sicht eines Autors: „E-Book: Machen sich Verlage überflüssig?„. Statt bei Verlagen betteln zu müssen, für wenig Geld ein Buch schreiben zu dürfen, könnte ein E-Book die Lösung sein, sogar mit Vorteilen gegenüber dem ebenfalls interessanten „printing on demand“.