Opel retten? Die Büchse der Pandora.

Es ist offenbar momentan in Mode. Große, mehr oder weniger bekannte Unternehmen, die, aus welchen Gründen auch immer, in eine finanzielle Schieflage geraten sind, schreien momentan von überall her nach Staatshilfen. Da hat unsere Regierung mit der Unterstützung der „notleidenden“ Banken wohl eine Büchse der Pandora geöffnet.

Kein Wunder, dass da die Lieblingsindustrie unserer Regierung Ihre Begehrlichkeiten jetzt laut rausposaunt. Wenn ich mich nicht irre, hat sogar die EU schon kostengünstige Kredite zugesagt, damit europäische Autobauer, die alle Trends zu modernen und sparsamen bzw. Umweltfreundlichen Autos absichtlich verpennt haben (!!!), diesen 10Jahres-Vorsprung der Japaner nun auf Kosten der Steuerzahler wieder aufholen können.

Das, finde ich, sollten wir bei all dem immer bedenken. Es sind unsere Steuergelder die nun die Fehlentscheidungen und das Missmanagement der Banker und vielleicht demnächst auch anderer Firmen nun ausbügeln.

Wo ich bei den Banken vielleicht noch den gesamtwirtschaftlichen Nutzen irgendwie erkennen kann, fällt es mir bei Opel, ehrlich gesagt, schwer. Das Totschlagargument sind hier natürlich mal wieder die potentiell 80.000 Arbeitslosen, wenn Opel pleite geht. Pleite gehen in der Regel Unternehmen, die nicht richtig aufgestellt sind, nicht überlebensfähig sind, Fehlentscheidungen getroffen haben, was auch immer. Und nun sollen meine, unsere, eure Steuergelder das richten? WTF? Ehrlich gesagt, bei mir zieht auch das Argument mit den Arbeitslosen nicht. Da sind viele tausend Arbeitsplätze gefährdet. Und um Sie zu retten soll der Staat viele Millionen Euronen (Update: 3.3 Milliarden sollen es sein) beisteuern. Was ist aber mit kleinen und mittelständischen Unternehmen, die vielleicht auch unter der Krise leiden? Da geht es vielleicht jeweils nur um 1,2 oder 10 Mitarbeiter – die wären aber vielleicht auch mit 10.000 oder 50.000 Euro zu retten! Also wo ist das Verhältnis?

Und wenn wir nun Opel mit Staatsgeldern retten, wer kommt dann als nächstes und möchte Geld haben? Das ist ein Fass ohne Boden.

Es ist typisch für unser Land, in welchem die Großindustrie, besonders die Automobilindustrie von vorne bis hinten alles in den A…. geschoben bekommt, und der Mittelstand Jahr um Jahr mehr Lasten zu tragen hat. So was kann mich echt aufregen. Da nennt man eine ökologisch sehr fragwürdige Verschrottungsprämie Konjunkturprogramm – es ist nichts anderes als eine (mehr oder weniger versteckte) Subvention für Autohersteller.

Das einzige was uns wirklich gegen den Abschwung helfen kann, ist mehr Geld in der Brieftasche aller Bürger. Davon würden wirklich alle profitieren!

Jetzt aber Schluss mit Aufregen, ist nicht gut für meinen Schrittmacher.

5 Kommentare

  1. tirstoff sagt:

    Und das ist eben genau die Frage: Wie frei soll die Marktwirtschaft sein?
    Es gab ja mal irgendwann in grauer Vorzeit eine soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Das ist Geschichte.
    Aber auch hier: Eine amerikanische Investmentgruppe kann die Anteile nur kaufen, wenn sie Ihr auch verkauft werden. Der Staat oder das Land koennten das einfach nicht tun. Aber irgendwann sind dann doch viele Anteile in den Haenden von (auch in Deutschland gibt es so etwas) skrupellosen Finanzmenschen, die nur auf das Geld schauen. Das kann in der Tat jederzeit mit jeder Firma, die in Anteilen unterwegs ist, geschehen.

    Die Idee, mal ausnahmsweise den Mittelstand statt der Grossindustrie zu unterstuetzen, finde ich sehr gut. Ein alternatives Konjunkturpakt: Mittelstaendische Firmen, die durch die aktuelle global Finanzsituation mehr oder weniger unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sind, werden vom Staat vor der Pleite bewahrt. *Das* waere mal ein Konjunkturpaket. Vermutlich ein wesentlich guenstigeres, das aber gleichzeitig auch effektiver sein duerfte…

  2. Der Chef sagt:

    Sowas nennt sich Marktwirtschaft. Kann BMW, Porsche, Mercedes, Toyota, Honda oder wem auch immer, jeden Tag passieren. Warum also soll VW eine Sonderstellung haben? Was geht das den Staat an – Nix!

  3. Anonymous sagt:

    jau, dann kauft irgendeine amerikanische Investmentgruppe die Anteile, kommt irgendwie noch an mehr davon und schon wars das mit VW.

  4. Der Chef sagt:

    Die FDP-Niedersachsen fordert schon seit längerem einen Verkauf der Anteile des Landes Niedersachsen an VW. Und ich kann mich dieser Meinung durchaus anschließen.

  5. Anonymous sagt:

    Ganz konsequent müßte man, wenn man diese Meinung vertritt, auch den Austritt bei VW fordern!