Archiv für Datenschutz

Adieu Herr Google – es war eine schöne Zeit

Ich glaube,ich bin nunmehr seit etwa 2005 Nutzer des Mail-Services von Google gewesen. Also zu einer Zeit als Smartphones, Tablets, Netbooks und Co noch ferne Zukunftsmusik waren. Zu der Zeit war das Web-Interface von Google unerreicht gut und der Speicherplatz schier grenzenlos.

Jetzt gibt es all diese wunderbaren mobilen Geräte und die machen einen Web-Dienst eigentlich überflüssig. Insbesondere wenn man wie ich auch eine eigene Web-Adresse hat und damit eigentlich keinen Freemail-Dienst mehr braucht. Auch das hat viele Vorteile. Trotzdem habe ich viele Jahre ausnahmslos Google benutzt.

Nach den aktuellen NSA-Skandalen und der immer mehr ausufernden Marktmacht Googles habe ich mich entschlossen, Google nun den Rücken zu kehren. Ja. Jetzt und sofort. Es wird zwar nicht zu 100% klappen, da z.B. Youtube und Google+ eben nur mit Google-Account nutzbar sind, aber mit dem Übertragen aller Mails und der Umstellung meiner Adressen, dem löschen aller Google Drive Dokumente ist der erste Schritt getan.

Ich denke, es ist sinnvoll seine Daten auf mehrere Anbieter zu verteilen und nicht einem Unternehmen alles in die Hand zu geben. Und wenn möglich werde ich jetzt auch auf Deutsche Anbieter setzen. Denn auch wenn es hier mit Sicherheit und Datenschutz nicht perfekt ist – besser als in Amerika ist es aus meiner Sicht irgendwie schon.

Wie macht Ihr das aktuell?

Minister Schünemann will die totale Überwachung

Eines Vorweg: Kinderpornographie bzw. die Misshandlung von Kindern ist unerträglich und gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen anderen antun können.  Hier gibt nichts zu beschönigen.

Aber was der niedersächsische Innenminister Schünemann lt. HAZ jetzt auf der CeBit wieder von sich gegeben hat – das ist wieder einmal unglaublich: Denn der Minister möchte nichts weniger als die totale anlassunabhängige Überwachung aller privaten Rechner. Auf der CeBit habe der Minister eine Software vorgestellt, die strafrechtliche Inhalte automatisch erkennt und löscht.  Die Software gleich die Dateien auf dem heimischen Rechner mit einer Datenbank des BKA ab und verhindert das öffnen von strafrechtlich relevanten Inhalten bzw. löscht diese Einfach.

Und am liebsten möchte Herr Schünemann diese Software gleich mit dem Betriebssystem auf jedem Rechner mit installieren.

Was würde das bedeuten? Der Staat hätte im Grunde Zugriff auf ALLE Daten auf unseren Rechnern. Und was dann damit gemacht wird, das kann man vorher nicht wissen – aber was wir wissen ist, dass neue Möglichkeiten auch neue Begehrlichkeiten wecken. Ich würde wetten, die Musik- und Videolobby wird diesen Vorschlag umgehend unterstützen und fordern, dass auch urheberrechtlich geschützte Daten sofort gesperrt bzw. gelöscht werden müssten. Und das wäre nur der Anfang. Die eigene Festplatte wäre ab diesem Monat ein offenes Buch für unseren Staat.

Aber wie schlau ist so eine Datenbank? Was passiert mit den Bildern unserer Babies, die nackt im Planschbecken sitzen? Was ist mit dem Roman, der am eigenen Rechner geschrieben wird und deutlich Morde, Vergewaltigung und schlimmeres als Thema hat? Werden diese Daten gelöscht? Klingeln wenige Minuten nach dem Öffnen freundliche Beamte an der Tür? Orwell lässt grüßen. Warum nicht gleich komplette Videoüberwachung in allen privaten Wohnungen und Häusern?

Nicht zum ersten Mal schießt der niedersächsische Innenminister Schünemann mit seinen Überwachungsforderungen (Fantasien) weit über das Ziel hinaus. Dieser Minister ist aus meiner Sicht schon lange nicht mehr tragbar.

Und ein Satz zum Ende: Schlimm ist, dass auch hier wieder einmal die Kinderpornographie als Argument vorgeschoben wird. Das wird vermutlich wieder darauf hinauslaufen, dass jeder, der gegen diesen absurden Vorschlag ist, gleichzeitig ein Pädophiler ist. Denn wer nichts zu verstecken habe, der müsse ja schließlich auch nichts befürchten.

Der Staat als Hehler?

Das klingt verlockend für unsere Haushaltspolitiker, die Opposition und viele andere, die sich momentan lautstark in den Medien melden: Ein paar Millionen investieren und über 100 Millionen Euro Rendite einfahren. Einziger Haken an der Sache – der Käufer wäre unsere Regierung und der Verkäufer ein nicht ganz gesetzestreuer Informant. Dieser hat unserer Regierung Hehlerware in Form von Steuersünder-Daten aus der Schweiz angeboten.

Also warum nicht? Das hat vor ein paar Jahren ja schon einmal geklappt als der gute Peer Steinbrück Informationen über deutsche Steuersünder in Liechtenstein gekauft hat und unsere klammen Kassen dabei um etwa 100 Millionen Euro aufpeppen konnte. Lt. Steinbrück das „Geschäft seines Lebens“. Und wie unsere Politiker, die auch schon mal Zensur oder Folter gutheißen , heute oftmals sagen: Der Zweck heiligt die Mittel. Oder etwa nicht?
Halten wir einen Moment inne. Atmen wir einmal durch und zählen bis zehn. Dann konzentrieren wir uns. Und vielleicht erkennen wir, dass es irgendwie keine gute Idee ist. Es ist eine ziemlich schlechte. Und die Argumente der Befürworter stehen auf sehr wackeligen Beinen.

Natürlich wäre es schön all die Steuersünder zu erwischen. Es wäre auch schön alle Schwarzfahrer, Mörder, Räuber und Ehebrecher zu erwischen – aber ist es deshalb legitim Folter oder andere illegale Methoden zur Aufklärung zu nutzen? Heiligt der Zweck die Mittel? Sind wir wieder im Mittelalter oder haben wir uns wenigstens ein wenig weiter entwickelt?

Natürlich würden die Millionen unseren Staatskassen gut tun. Aber denen würde es auch helfen ein paar Staatssekretäre weniger zu beschäftigen, ein paar Millionen Euro an sinnfreien Entwicklungshilfen (z.B. nach China) einzusparen oder sich einmal zu überlegen, welchen Sinn Deutsche Soldaten in Afghanistan machen. Einsparpotentiale gibt es genug, da tut es eigentlich nicht not, auf diese Weise den schnellen Reibach zu machen.

Außerdem würde der Staat als Hehler auftreten, andere Individuen zum Nachahmen animieren, illegale Tätigkeiten tolerieren und honorieren – das kann nicht sein.

Unsere Politiker täten gut daran, dem Spruch von Herrn Pofalla mehr Aufmerksamkeit zu widmen: „Erst grübeln dann dübeln“

Bundesrat winkt Zensursula durch. Nachfrage an den Wirtschafstminister (FDP)

Philipp Rösler. Foto: http://www.philipp-roesler.de/

Philipp Rösler. Foto: http://www.philipp-roesler.de/

Sehr geehrter Herr Rösler,

ich bin sehr enttäuscht darüber, dass der Bundesrat, mit den Stimmen der FDP-mitregierten Ländern, am letzten Freitag das „Zensurgesetz“ zur „Sperrung von kinderpornographischen Seiten“ mit durchgewunken hat.

Ich will hier gar nicht auf Details des Gesetzes eingehen, dass ist in den letzten Wochen ausführlich diskutiert worden (aber offenbar nicht ausführlich genug)

Aber nachdem die FDP im Bundestag geschlossen dagegen gestimmt hat und in unserem Land deutlich die Empörung über das Abstimmverhalten der Grünen zu spüren war (wegen der vielen Enthaltungen) kann ich es wirklich nicht fassen, dass das Gesetz den Bundesrat nun ohne weiteres passiert hat.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Sie mir erklären könnten, wie es zu diesem Stimmungswechsel in der FDP gekommen ist.

Außerdem frage ich mich, wie wir mit dieser Haltung noch ernsthaft einen Internet-Wahlkampf führen können? Denn durch die hier gezeigte Haltung lässt sich in der „Generation C64“ kein Blumentopf mehr gewinnen. Im Gegenteil: Das zeigt auch der momentan sehr deutliche Zulauf zur Piratenpartei.

Mit freundlichen Grüßen

Thorben Rump

In tiefer Trauer um unsere Grundrechte

(Bild gefunden auf http://www.zensursula.net)

Replik der Bürgerrechtler auf Schäuble

„Wir machen keine Angst“

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte im taz-Interview Bürgerrechtler scharf kritisiert: Sie schürten unnötige Erregung und seien außerdem geschichtsblind. Heute antworten die derart Angegriffenen.

Den Artikel auf www.taz.de lesen.

Die Rente ist sicher, oder warens die Daten, oder die Terroristen?

Golem.de berichtet, dass unser Oberschnüffelminister Schäuble, der für Vorratsdatenspeicherung ebenso wie für die Befugnis zum Ausspionieren privater Computer und für andere Überwachungsmaßnahmen eintritt, staatlich erhobene und gespeicherte Daten für „sicherer als die Daten, die im privaten, nicht-öffentlichen Bereich umlaufen“ hält. Sie sind auch sicherer als in anderen europäischen Ländern“, so der Unionspolitiker.

Na, dann kann ich ja gleich viel ruhiger schlafen. Danke Herr Schäuble.

Deutsche fürchten sich doch vor Online-Durchsuchungen

Also doch. Die Mehrheit der Deutschen hat die Befürchtung, dass der Staat Online-Durchsuchungen ohne berechtigten Verdacht durchführt. Lt. Nachrichtenagentur AP haben 71 Prozent der Bürger Angst davor, dass der deutsche Staat ohne berechtigten Verdacht Computer seiner Bürger online durchsucht.

Ermittelt wurden diese Zahlen vom Meinungsforschungsinstitut TNS-Emnid im Auftrag des Internet-Magazins «Tomorrow». Demnach sind nur noch 27 Prozent unbesorgt. Befragt wurden 1.003 Personen. Die Ergebnisse sind repräsentativ.

Langsam aber sicher setzt sich also doch die Erkenntnis durch, dass es nicht reicht „nichts zu verbergen zu haben“.

Anonym telefonieren?

Das Unternehmen simonym.com verkauft Predpaid Sim-Karten und verspricht, dass diese absolut anonym sein, d.h. ohne Kopplung an Benutzerdaten. „Unser Produkt „Anonyme SIM Karte“ ist bereits vollständig freigeschaltet und aktiviert, es erfolgt keine Registrierung auf Ihren Namen. Die Sim-Karte bzw. Rufnummer kann somit nicht Ihren persönlichen Daten zugeordnet werden.“

Es handelt sich letzten Endes um D1-Extra-Karten bzw. e-Plus Phonehouse-Tarife. Diese können preislich mit aktuellen Angeboten der nicht-anonymisierten Anbieter nicht mithalten ( 0,19€ bzw. 0,39€ pro Minute bei D!).

Das Unternehmen simonym ist ein Kleinstunternehmen, dass nur weiterverkauft. Wie der Inhaber es schafft, die Karten zu anonymisieren ist mir erstmal unklar.

Im Netz ist bisher nichts schlechtes über den Betreiber bekannt, und wer dringend wert auf anonyme Telefonie legt, für den könnte das System durchaus interessant sein.

Update 10.07.: Wie uns Kefa in den Kommentaren mitteilt und jetzt auch auf der Seite von simonym mitgeteilt wird, wurde der Inhaber der Seite nun von den T-erroristen abgemahnt. O-Ton: „Durch die Veräußerung ‚anonymer SIM-Karten’werde missbräuchliches Verhalten, von belästigenden Telefonanrufen hin bis zur Vorbereitung terroristischer Handlungen, gefördert, wenn die Nutzer der SIM-Karten ‚anonym‘ bleiben.“ – Liebe Telekomiker – bitte erstmal an die eigene Nase fassen.

Verleihung der BigBrotherAwards 2008

Die „Auszeichnungen für Datenkraken“ werden im Rahmen einer großen Gala am Freitag, 24. Oktober 2008 von 18 bis 20 Uhr im „Historischen Saal“ der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld verliehen.

Bis zum 15. Juli 2008 können Sie hier Organisationen, Institutionen, Verbände oder Personen nominieren, die Ihres Erachtens für die Verleihung eines BigBrotherAwards in Frage kommen.

Big Brother Awards.de

P.S. Da vermutlich genug Vorschläge bzgl. unseres Oberschnüffelministers eingehen werden, habe ich mal LIDL nominiert, für die umfangreiche Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter.