Beitragserhöhungen sind keine Reform

Jetzt ist einmal wieder „kurz mal aufregen“ angesagt. Es geht um die sog. Aktuelle Gesundheitsreform. Wieder einmal werden Beitragserhöhungen für Arbeitgeber als Reform verkauft. Offenbar ist es völlig egal welche Partei gerade an der Regierung ist, aber alle „Reformen“ der letzten Jahre waren m.E. nur Beitragserhöhungen für Arbeitnehmer. Ausgenommen der Gesundheitsfonds. Was der genau war oder ist oder welchen Sinn der hat, das weiß vermutlich wirklich niemand.

Nun also macht Herr Rösler sein Reförmchen:

  1. Beitragserhöhung auf 14,6% zzgl. 0,9% die nur der Arbeitnehmer zahlt
  2. Arbeitgeberbeitrag wird auf 7,3% festgeschrieben
  3. Kassenindividuelle Zusatzbeiträge werden erweitert
  4. Auf der Ausgabenseite werden die Verwaltungskosten begrenzt (bis 2012), die Preise für Impfstoffe gesenkt und das Vergütungsniveau für Ärzte leicht begrenzt.
  5. Ein Sozialausgleich soll das schlimmste unsoziale Verhindern. Aber nach Berechnungen des Bundesversicherungsamtes werden bis 2014 nur Einkommen unter 800 EUR davon profitieren, der Rest darf voll zahlen. Ironie an: Das ist wirklich mal sozial. / Ironie aus.

Was heißt das nun für die arbeitende, angestellte Bevölkerung? Eigentlich nur eines: Weniger Netto vom Brutto. Denn die Beiträge steigen, Zusatzbeiträge werden garantiert kommen und jede weitere Beitragserhöhung trifft nur noch Arbeitnehmer.

Kleine bis mittelständische Arbeitgeber profitieren nur in sehr geringem Maße, denn bei wenigen Angestellten macht sich die Festschreibung des AG-Anteils kaum bemerkbar.

Profitieren wird wieder einmal die Großindustrie. Denn bei mehreren tausend Angestellten machen sich auch ein paar Cent Ersparnis pro Arbeitgeber bemerkbar. Profitieren werden die Apotheken, die immer noch ein staatlich gefördertes Monopol haben, die Pharmakonzerne, die weiterhin Wucherpreise für schlechte und unerprobte Medikamente nehmen können.

Also Business as usual.

Das ist keine Reform, nicht einmal ein Ansatz. Das ist eine Beitragserhöhung für Arbeitnehmer. Das ist weniger Netto vom Brutto. Das ist nichts Herr Rösler, wirklich nichts…

3 Kommentare

  1. admin sagt:

    Recht Du hast 🙂 Habe ich mal korrigiert. Danke

  2. Leser sagt:

    Mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer geht es hier aber ganz schön durcheinander…

  3. larry sagt:

    Die Festschreibung des Arbeitgeberanteils ist hoffentlich nur der erste Schritt. Ich hoffe daß er im zweiten Schritt endlich abgeschafft wird. Der einzige Zweck den der Arbeitgeberanteil hat ist der, die tatsächlichen Kosten des Gesundheitssystems zu verschleiern. Zu verschleiern das bei 3000 EUR Einkommen der Krankenkassenbeitrag tatsächlich bei über 450 EUR liegt und nicht knapp bei 225 wies auf dem Lohnzettel steht. Der AG Anteil existiert nur in der Phantasie der Arbeitnehmer und Gewerkschaften, tatsächlich geht der vom realen Bruttolohn ab den der Arbeitgeber kalkuliert, bevor er die AG Anteile abzieht. Und Beitragserhöhungen gingen ebenfalls schon immer zu Lasten der Arbeitnehmer. Zumindest langfristig – denn die werden natürlich bei der nächsten Lohnerhöhung berücksichtigt, die dann entsprechend niederiger ausfällt. Richtig wäre: Sofort die Bruttolöhne um die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung zu erhöhren und diese dann auf dem Lohnzettel auszuweisen. Da ginge ein Aufschrei durchs Land, wenn die Leute endlich mal sehen würden wieviel Geld sie für das bischen Leistung zahlen. Und zwei Monate später hätten wir eine Gesundheitsreform die ihren Namen verdient.