Archiv für Juli 2012

Es ist ein Skandal

Dem deutschen Bundestag sind Tiere mehr wert als unsere Kinder. Das Parlament hat entschieden: „Eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen“ müsse „grundsätzlich zulässig“ sein.

Während es in unserem Land schon unter Strafe steht, seine Kinder zu „ohrfeigen“, das religöse „Schächten“ von Tieren nur mit Narkose erlaubt ist und wir uns über das Tragen der „Tschador“ bei islamischen Frauen echauffieren, ist es also völlig in Ordnung, wehrlosen Kindern und Säuglingen am Penis rumzuschnippeln. Nicht aus gesundheitliche, nein, aus rein religiösen, traditionellen Gründen.

Hier wird das recht unserer Kinder auf körperliche Unversehrtheit mit den Füßen getreten.

Leider scheint es bei dieser Entscheidung des Bundetages ganz eindeutig weder um unsere Kinder noch um Religion zu gehen. Es geht schlicht und einfach um Politik. Denn schon kurz nach dem das Landgericht Köln die rituelle Beschneidung als Körperverletzung geahndet hat, ging ein Aufschrei durch unser Land: „Verbandsvertreter von Juden und Muslimen sehen darin schon jetzt einen Ausdruck dessen, dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland allen Toleranzbeteuerungen zum Trotz nicht erwünscht ist“ (fr online).

Das ist natürlich totaler Schwachsinn, wie ich finde. Es geht um die Selbstbestimmung unserer Kinder und nicht um Toleranz gegenüber anderen Religionen. Ich bin ein sehr toleranter, liberaler Mensch. Aber ich kann es nicht tolerieren wenn vor dem Hintergrund religiöser Ideen Menschen verletzt, verstümmelt, gedemütigt oder getötet werden. Da hat meine Toleranz ein Ende.

Aber unser Parlament sieht das offenbar anders. Die meisten Medien schreiben heute von einem „Signal an Juden und Muslime“. Und genau das ist es. Ein Signal der  Politik. Auf den Köpfen unserer Kinder, bzw. der Kinder von Juden uns Muslimen ausgetragen. Kinder und Säuglingen, die sich nicht wehren können und ihr Leben lang mit den Konsequenzen einer solchen Beschneidung leben müssen.

Landesparteitag und Liste für Landtagswahl

Gestern war ich in Osterholz-Scharmbeck. Auf dem Landesparteitag bzw. der Landesvertreterversammlung der niedersächsischen FDP. Hier wurde von den Delegierten, also auch von mir, die Liste für die kommende Landtagswahl vorgestellt. Ich war zum ersten Mal bei einer solchen Aufstellung dabei. Bevor irgendjemand gewählt werden kann, stellt der Landesvorstand eine Liste aus 20 Vorschlägen zusammen, die dann die jeweiligen Bezirksvorstände Ihren anwesenden Mitgliedern vorlegt. Dann wird erklärt, welcher Bezirksverband mit welchem anderen Verband so zusammen arbeitet und welche Kandidaten doch bitte unbedingt gewählt werden sollten. Das sind natürlich nur unverbindliche Vorschläge. Aber es gilt wohl auch hier, möglichst viel Zuverlässigkeit zu zeigen und die vorgeschlagenen zu wählen, denn die nächste Wahl kommt bestimmt.

Die ersten 6-7 Kandidaten werden mit 80%-99% Zustimmung gewählt, so weit so gut so langweilig. Und dann kommen, wie aus dem Nichts, die ersten Kampfkandidaturen. So nennt man es in der Politik, wenn es mehr als einen auserkorenen Bewerber gibt. Aber, ich nehme es mal vorweg, alle Kampfkandidaturen sind aussichtslos an diesem Sonntag im Juli des Jahres 2012.

Ich stehe übrigens auch nicht auf der Liste der Top 20. Als Platz 9 der Bezirksliste Hannover komme ich wohl irgendwo auf Platz 50+ zum Zuge. Das gefällt mir nicht. Also entscheide ich mich für eine Kampfkandidatur. Aber auch die muss wohl überlegt sein, denn wenn ich jemanden aus dem eigenen Bezirk brüskiere, ja so nennt man das wohl, dann mache ich mir in der Heimat wenig Freunde – und wenn ich nicht gewinne, sind die Chancen für einen guten Platz bei der nächsten Wahl vermutlich nicht die besten.

Als Neuling wähle ich mir also den 20. Platz für meinen Angriff aus. Den ganzen Tag über feile ich an meiner kleinen Rede – genug Zeit ist zwischen den einzelnen Kandidatenvorstellungen auf jeden Fall. Was Reden angeht bin ich eh etwas spontaner als viele andere.

Trotzdem habe ich Herzklopfen als ich dann von meinem Vorsitzenden Daniel Farnung vorgeschlagen werde. Mutig schreite ich auf das Podest und stehe im Scheinwerferlicht und auf Großbildleinwand vor über 250 Delegierten die vermutlich nur darauf warten, dass ich etwas falsch mache und sie mich zerfleischen können. Aber ich habe die letzten 5 Stunden gut aufgepasst und mir gemerkt, was gut ankommt bei den Damen und Herren. Ich erzähle von meiner Hochzeit, meiner Frau, immer wieder fällt das Wort „liberal“, auch mal „ur-liberal“ oder „freiheitlich-liberal“. Schnell habe ich ein paar Lacher auf meiner Seite und als ich über Netzpolitik rede brandet auch der erste große Applaus auf. Ich werde langsam warm und finde Spaß an der ganzen Sache. Ich erzähle noch etwas über meine Motive, über meine Vorstellung von Familienpolitik und dann verabschiede ich mich mit viel Applaus von der Bühne.

Meine Rede war wohl echt gut, viel Händeschütteln, viele Komplimente. Aber wie zu Anfang angedeutet, hat es kein Herausforderer an diesem Abend geschafft, die vorgeschlagenen Listenplätze zu schlagen. Mit knapp 40% Zustimmung habe ich zwar das Beste Ergebnis eines Herausforderers, aber verloren ist verloren.

So lande ich dann, wie vermutet, auf Platz 54 in der Liste. Irgendwo zwischen Nirgendwo und überall. Die Wahrscheinlichkeit damit in den Landtag einzuziehen ist etwa so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Piraten ab 2013 den Bundeskanzler stellen werden.

Egal, ein weiterer Schritt ist geschafft und wir Wunstorfer Liberalen haben es zumindest wieder einmal geschafft in der niedersächsischen FDP-Politik aufzufallen. Das ist ein guter Grundstein für unser weiteres landesweites Engagement und wir werden das zu nutzen wissen 🙂