Archiv für Mai 2011

Anonym und mit viel Geld gegen Lidl in Steinhude

Gestern Abend fand ich einen Flyer in meinem Briefkasten: Aufgemacht mit dem schon bekannten Aufruf „Kein Gewerbegebiet Steinhude-Mitte“. Auf Hochglanzpapier, professionell gedruckt und offenbar von Hand verteilt.

Initiative "Lidl an den Ortsrand"

Mit viel Tam-Tam und absolut anonym versucht die Initiative „Lidl an den Ortsrand“ weiter Stimmung zu machen und weitere Gegner zu mobilisieren –offenbar vor dem Hintergrund der anstehenden Beratungen im Ortsrat, Bauausschuss, Verwaltungsausschuss sowie dem Stadtrat. So wird deutlich dazu aufgerufen, am kommenden Mittwoch unbedingt zur nächsten Ortsratssitzung zu kommen um den „Politikern und Großinvestoren zu zeigen, dass der Bürger nicht übergangen werden darf“.

Wieso eigentlich so anonym? Auf dem Flyer gibt es nur eine GMX-Adresse, ein Postfach sowie eine Fax-Nummer. Namen werden nicht genannt? Traut man sich hier nicht zu seiner Meinung zu stehen? Ich stehe offen zu meiner Meinung und kämpfe auch weiterhin für einen Lidl (inkl. Rossmann) an der geplanten Stelle – hier in Steinhude und als Bürgervertreter im Bauausschuss.

Dazu möchte ich noch einmal kurz Stellung zu den (nicht neuen, aber jetzt immerhin teilweise erläuterten) Behauptungen der Initiative meine Meinung sagen:

„Im Wohngebiet soll eine Gewerbegroßanlage entstehen“
Das genannte Gebiet ist kein Wohngebiet, sondern ein Mischgebiet mit Gewerbe und Wohnraum – deshalb ist auch  nur 20m entfernt ein Jibi-Markt (auch eine Gewerbegroßanlage?) zu finden, außerdem eine Bäckerei, ein Reisebüro, eine Versicherung, ein Aquaristik-Geschäft,…

„Vier Historische Häuser mit Remisen sollen abgerissen werden“
Ist „alt = historisch“ – und „Remise“ ein Qualitätsmerkmal? Hat irgendjemand der Initiative schon einmal mit den Eigentümern gesprochen? Möchte vielleicht jemand der Initiatoren, diese historischen Häuser kaufen – vielleicht ginge das sogar.

„Ruhige Idylle wird zerstört, ein Schulweg gefährdet“
Was bitte ist an einer Tischlerei „ruhige Idylle“? Jeder möge einmal selber durch das Tiefental fahren und sich angucken, wie idyllisch diese Häuser sind- oder eben nicht. Und der Schulweg ist durch die vorhandene Kreuzung schon jetzt nicht optimal, wird aber vom Investor umgebaut.

„Zeitungen schreiben nicht mehr, Leserbriefe werden nicht gedruckt“
Wer schreit, dem will niemand mehr zuhören. So einfach ist das.

„Politik entscheidet am Bürger vorbei“
Nein, in einer Demokratie entscheiden Mehrheiten. Und ich bin persönlich davon überzeugt, dass die Befürworter in der Mehrheit sind – außerdem ist noch gar nichts entschieden.

„Wirtschaftliche Schäden durch LKW-Verkehr“
Es wird keinen LKW-Verkehr durch die Straße Tiefental geben. Auch die An-und Abfahrten gehen über die Großenheidornerstr.. Außerdem ist kaum davon auszugehen, dass wirklich neuer Verkehr erzeugt wird oder Besucher aus den anliegenden Ortschaften kommen – die sind im Gegensatz zu Steinhude bereits gut mit Lebensmittelgeschäften versorgt.

„Standortalternative am Stadtrand“
Der Stadtrand ist keine Alternative. Er ist keine Alternative für Rentner, Mütter und Kinder, die kein Auto fahren. Er zieht Kunden an den Stadtrand und gefährdet damit wirklich die Geschäfte im Ortskern. Und nein, der höherpreisige Jibi-Markt ist für viele Menschen keine Alternative für den täglichen Einkauf.

„Steinhudes Flair erhalten“
Wenn die Ecke „Großenheidorner Str./Tiefental“ für Steinhudes Flair steht, dann wundere ich mich, warum dort eigentlich kaum Touristen anzutreffen sind. Eine alte, verkommene Tischlerei mit einem Jibi-Markt gegenüber ist definitiv kein Touristen-Magnet. Und ich denke persönlich, die Touristen kommen wegen des Steinhuder Meeres – aber vielleicht ist das nur meine Meinung.

Letzten Endes bringt der Flyer nur wenig neue Erkenntnisse. Es wird immer noch mit Ängsten gespielt, dabei etwas mehr Geld in die Hand genommen und darauf gehofft, dass „dagegen sein“ heutzutage einfach was tolles ist. Das zeigt sich insbesondere dadurch, dass wieder einmal auch Ortsfremde, die davon gar nicht betroffen sind aufgerufen werden zu unterschreiben – so wie auch Touristen lange Zeit vor dem Jibi-Markt zur Unterschrift gegängelt wurden.

Vielleicht kommt ja am kommenden Mittwoch der eine oder andere Befürworter zur Ortsratssitzung – interessant wird es auf jeden Fall.

Der Flyer – als pdf zum Download.